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Meine
Philosophie

Sieglinde Stessl

Mein gesamtes Portfolio basiert auf dem Menschenbild von Viktor E. Frankl, dem Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse →.

Ausgehend von seiner Neuausrichtung dieser sinnorientierten Psychotherapie, in der die Rückbesinnung auf Sinne und Werte im Mittelpunkt stehen, basiert auch meine Vorgehensweise auf der Überzeugung einer Therapie „vom Geistigen her“, die eine am Geist ausgerichtete Heilung herbeiführt.

Der Geist wird in der Logotherapie als Voraussetzung des Menschen als „geistige Person“ gesehen. Doch insbesondere wird er auch als das Entscheidende eingesetzt. In der Ich-Du-Begegnung im therapeutischen, trainings- und coachingbezogenen Dialog wird dem Geistigen Raum gegeben, die eigenen Werte (Einstellungswerte) ins Bewusstsein geholt und somit die Kraft aktiviert, diese zu verwirklichen und zu leben.

Somit liegt meine eigentliche und einzige Aufgabe darin, Sie ein Stückchen Ihres Weges zu begleiten und Ihnen eine Hilfestellung zu geben, Ihre Fähigkeit (wieder) neu zu entdecken, das für Sie als sinnvoll und richtig Erkannte zu verwirklichen.

Hierbei lege ich auch einen besonderen Schwerpunkt auf die Wirkung der Sprache. Durch eine differenzierte Anwendung und Wahrnehmung von Sprache wird deren Wirkung auf Ihre Kommunikation und auf Ihr eigenes Denken und Handeln deutlich – und damit auf die Entwicklung Ihrer Persönlichkeit. So werde ich beispielhaft einige der wesentlichen Bausteine und Baupläne der bewussten Sprache – basierend auf dem LINGVA ETERNA Sprach- und Kommunikationskonzept → – beschreiben und differenziert in ihrer Wirkung auf Ihre Persönlichkeit analysieren.

 


LINGVA ETERNA

Dieses Metakonzept entwickelte Mechthild R. Scheurl-Defersdorf, die daraus ab 2004 gemeinsam mit Theodor von Stockert, einem Neurowissenschaftler, eine Form von Sprachtraining ableitete. Es lenkt den Blick auf die Wirkung von Wortschatz, Grammatik, Satzmelodie und Sprachgeschwindigkeit. Viele Menschen verwenden oft das Wort „man“ und umgehen so von einer bestimmten Person zu sprechen, zum Beispiel von sich selbst. Generalisierungen sind „alle“ und „jeder“.

In alltäglichen Situationen setzen wir gewohnte Formulierungen ein. Wir haben es immer schon so oder so ähnlich gemacht. Unsere Ausdrucksweise empfinden wir als normal. Doch gerade in diesen landläufigen Formen des Ausdrucks zeigen sich tief verankerte Sprech- und Denkgewohnheiten. Und hinter Gewohnheiten verbergen sich Neigungen. Neigungen entwickeln sich oft zu Verhaltensmustern, ja Lebensmustern.

Muster verlaufen in vielen Situationen automatisch und unbewusst. Daher gebrauchen wir sie auch bei nicht angebrachten Gelegenheiten. Oft wirken sie sogar deplatziert und schädlich.

Der klare und bewusste Umgang mit der Struktur der Sprache löst Konflikte auf schonende Weise, ohne den belastenden Hintergrund zu beleuchten. Dabei ist eine grundlegend wohlwollende Einstellung zum Gesprächspartner und zu der Welt, in der wir leben, von fundamentaler Bedeutung. LINGVA ETERNA trägt zur gegenseitigen Wertschätzung unter den Menschen bei.

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Logotherapie

Vom Sinn des Lebens

Die Logotherapie bemüht sich um Bewusstmachung von Geistigem. Wobei sie in ihrer Spezifikation als Existenzanalyse darum bemüht ist, im Besonderen das Verantwortlichsein – als Wesensgrund der menschlichen Existenz – dem Menschen zum Bewusstsein zu bringen. Verantwortung heißt jeweils: Verantwortung gegenüber einem Sinn.

Das Infragestellen des Daseinssinns

"Die Frage nach dem Sinn des Lebens, mag sie nun ausgesprochen oder unausdrücklich gestellt sein, ist als eine eigentlich menschliche Frage zu bezeichnen. Das In-Frage-Stellen des Lebenssinns kann daher niemals an sich etwa der Ausdruck von Krankhaftem am Menschen sein; es ist vielmehr eigentlicher Ausdruck des Menschseins schlechthin – Ausdruck des Menschlichsten im Menschen. Denn wir können uns wohl hochentwickelte Tiere vorstellen, die – etwa wie Bienen oder Ameisen – in so mancher Beziehung sozialer Organisation, in ihren den menschlichen Staatsgebilden ähnelnden Apparaturen, der menschlichen Gesellschaft sogar überlegen sind; nie und nimmer jedoch könnten wir uns vorstellen, dass irgendein Tier die Frage nach dem Sinn seiner eigenen Existenz aufzuwerfen und damit dieses sein eigenes Dasein in Frage zu stellen vermöchte.“ (vgl. Viktor Frankl, Ärztliche Seelsorge, Wien 1982, S.39).

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Anthropologische Aspekte von Viktor Frankls Logotherapie und Existenzanalyse

Die Person ist ein Individuum (vgl. Frankl 2007),

d.h. die Person ist unteilbar. Sie lässt sich nicht aufspalten, weil sie Einheit ist. Diese Aussage Frankls weist auf den Wesenskern des Menschen hin, der sich jedem vergleichenden oder analysierenden Zugriff entzieht. Hier umreißt Frankl den Bereich der Menschenwürde nicht nur als Postulat oder theoretisches Bild, wie es etwa in der Charta der Vereinten Nationen enthalten ist, sondern macht ihn zum gelebten Kernstück seiner Psychotherapie. In der Logotherapie begegnen sich Patient und Therapeut als Individuen. Daraus erwächst die therapeutische und beraterische Wirksamkeit von Logotherapie und Existenzanalyse. Es entsteht eine Begegnung „auf gleicher Augenhöhe“, die das frühere Machtgefälle zwischen Klient und Therapeut überwindet. (vgl. Spaleck 2005)

Die Person ist eine Ganzheit (vgl. Frankl 2007)

Die Person ist nicht nur unteilbare Einheit, sie ist auch in-summabile, d.h. unverschmelzbar mit einer höheren Ordnung, z.B. mit einer Klasse, mit der Masse oder einer bestimmten Rasse. Viktor E. Frankl – als Jude ein Betroffener des NS-Regimes – hat sich konsequent gegen die Theorie einer Kollektivschuld gewandt. Für ihn ist der Mensch als Person nie Teil einer Gruppe oder Masse, sondern immer in sich selbst „ganz“. „Der Mensch geht als Person in der Masse nicht auf, sondern unter.“ Innerhalb der Psychotherapie bildet dieser Ansatz den Übergang von einer defizitären zu einer integrierenden Betrachtungsweise. (vgl. Spaleck 2005)

Jede Person ist ein absolutes Novum (vgl. Frankl 2007)

Aus Frankls Sicht ist der personale Wesenskern des Menschen nicht von den elterlichen Genen ableitbar, sondern von Anfang des individuellen Lebens an als Ganzheit da. „Die geistige Existenz ist nicht übertragbar, nicht fortpflanzbar. Was allein fortpflanzbar ist, sind die Bausteine – aber nicht der Baumeister.“ Diese Auffassung führt zu einer personalen Pädagogik, in der das Kind von Anfang an als Eigenwesen erlebt wird, das sich aus sich selbst heraus entwickelt. (vgl. Spaleck 2005)

Die Person ist geistig (vgl. Frankl 2007)

Als geistige Person steht sie in (heuristischem und fakultativem) Gegensatz zum Psychophysikum. Mit dieser Aussage wagt Frankl sich in Bereiche vor, die vor ihm in der Psychotherapie weitgehend vermieden worden waren. Die Qualität des Geistigen war in der naturwissenschaftlich orientierten Psychologie und Psychotherapie ausgeklammert worden. Frankl macht diese Qualität zum Kerninhalt seines Menschenbilds und grenzt sie scharf gegen die Qualität des Psychischen und Physischen ab. Die zentralen Qualitäten des Geistigen, wie Freiheit und Unverletzbarkeit, bilden für Frankl die Voraussetzung dafür, dass ein Mensch selbst in Situationen, in denen sein Ich für ihn selbst und für seine Umwelt gespalten erscheint – etwa in einer Psychose –, dennoch unverletzte Person bleibt. Frankl nennt dies sein „Psychiatrisches Credo". (vgl. Spaleck 2005)

Die Person ist existenziell (vgl. Frankl 2007)

Mit dieser Aussage schließt Frankl an die Deutsche Existenzphilosophie von Jaspers und Heidegger an. Mensch-Sein ist auch für Frankl „entscheidendes Sein“. Der Mensch ist somit in seinem Wesenskern nicht seinen Prägungen und Trieben ausgeliefert, sondern entscheidet frei. „Der Mensch ist nicht triebdeterminiert, sondern sinnorientiert.“ Damit überwindet Frankl die eher pessimistische Grundhaltung der Psychoanalyse. Gleichzeitig konfrontiert er sein Gegenüber mit der unbequemen Wirklichkeit der weitgehenden Verantwortlichkeit für die eigene Situation. (vgl. Spaleck 2005)

Die Person ist Ich-haft (vgl. Frankl 2007)

Die Person ist Ich-haft und nicht Es-haft, und sie steht nicht unter der Macht des Es. Frankl erlebt ähnlich wie Sigmund Freud die Wurzel des Ich-Bewusstseins im Unbewussten. Für Frankl ist diese unbewusste Quellschicht des Ich geistiger und nicht, wie der von ihm geschätzte Freud annahm, triebhafter Natur. Dies hat Auswirkungen auf Frankls Ansicht von der Bedeutung der Religiosität: Wenn er seine Logotherapie und Existenzanalyse auch frei hält von jeglicher konfessionell-religiösen Ausrichtung, so erlebt er dennoch im religiösen Glauben kein psychisches Bedürfnis, wie dies die meisten psychologischen Schulen tun, sondern eine geistige Erkenntnisfähigkeit im Hinblick auf eine unbewusste geistige Über-Welt. (vgl. Spaleck 2005)

Die Person ist nicht nur Einheit und Ganzheit, sie stiftet auch Einheit und Ganzheit (vgl. Frankl 2007)

Sie stiftet die leiblich-seelische-geistige Einheit und Ganzheit, die das Wesen Mensch darstellt. Für Frankl stellt der Mensch einen Schnittpunkt dreier Seinsschichten dar, der physischen, psychischen und geistigen.
Wenngleich Frankl die Qualitäten dieser drei Seinsschichten scharf unterscheidet, so stellen sie für ihn doch eine untrennbare Einheit dar. Der konstituierende Faktor dieser Einheit ist für ihn die Person. Aus dieser konstituierenden Fähigkeit des Geistigen im Menschen leitet Frankl die Kernthese seines therapeutischen Ansatzes ab: den Glauben an die Fähigkeit des Menschen, sich unter allen Bedingungen und Umständen in eine fruchtbare Distanz zu seinen inneren Gegebenheiten begeben zu können („Psychotherapeutisches Credo“). Frankl nennt diese Fähigkeit die „Trotzmacht des Geistes“. (vgl. Spaleck 2005)


Abbildung 1: Die drei Seinsschichten der Person nach Frankl

Die Person ist dynamisch (vgl. Frankl 2007)

Die oben beschriebene Auseinandersetzung des individuellen Geistigen mit den eigenen physischen und psychischen Voraussetzungen hat für Frankl verändernde und gestaltende Kraft. Sie zeigt so die Grundwesenhaftigkeit des Geistigen auf: die Schöpferkraft. (vgl. Spaleck 2005)

Das Tier ist nicht Person (vgl. Frankl 2007)

Der Mensch als Person hat im Gegensatz zum Tier schon immer seine Welt; seine Mit- und Umwelt. Nach Frankls Verständnis kann das Tier sich nicht mit sich selbst auseinandersetzen. Es ist vollkommen integriert in seine Umwelt. Es hat kein Bewusstsein für den Wert- und Sinnzusammenhang der menschlichen Welt. Frankl folgert daraus, dass es analog dazu für den Menschen eine ihm unbewusste geistige Über-Welt geben muss. Deren Sinngehalt kann er im Glauben erahnen. (vgl. Spaleck 2005)

Die Person begreift sich von der Transzendenz her (vgl. Frankl 2007)

Die Person begreift sich selbst nicht anders denn von der Transzendenz her. Diese unbewusste geistige Über-Welt bildet für Frankl den eigentlichen Ursprung des Menschen: „Der Mensch ist (...) Mensch in dem Maße, als er sich von der Transzendenz her versteht“. Er ist „durchtönt und durchklungen vom Anruf der Transzendenz. Diesen Anruf der Transzendenz hört er ab im Gewissen“. Das autonome Gewissen stellt für Frankl die Kommunikationsbrücke des individuellen Menschen zu seiner geistigen Heimat dar. In diesem Dialog mit seinem geistigen Urgrund kann der Mensch unterscheiden was für ihn sinnvoll ist und was nicht. Hierin erlebt er nach Frankls Auffassung seine tiefste Motivation und seine tiefste Sehnsucht, den Willen zum und die Suche nach Sinn. Sinn ist für Frankl die Verwirklichung der erkannten, individuellen Wertewelt. Hier verweist Frankl auf Albert Einstein, für den „die Frage nach dem Sinn des Lebens stellen religiös sein hieß.“(vgl. Spaleck 2005)

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